Quarante (= 40!) Burghauser à Fumel!

Quarante (= 40!) Burghauser à Fumel!

Vierzig (40!) teilweise noch etwas schläfrige Schüler der Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 standen am Donnerstag, den 19. März bereits ab 5:45 Uhr mehr als pünktlich am Burghauser Bahnhof – unsere Lehrer waren das nicht unbedingt gewöhnt … Deutlich aufgeregter schienen übrigens die abgebenden Eltern – aber nicht lange: Um Punkt 6 Uhr startete der Bus, und wir ließen unsere winkenden Eltern alleine zurück. Ob sie eher traurig oder eher froh waren, entzieht sich unserer Kenntnis. Neben 25 mutigen Mädchen machten sich dieses Jahr auch 15 nicht minder mutige Buben auf die lange Reise nach Frankreich.

Nach einigen Stunden im Bus, die zum Essen („Herumbröseln“, meinte unser Busfahrer Helmut; er schien uns zu kennen …), Schlafen, Musikhören und Ratschen verwendet wurden – von Handys wollen wir hier nicht reden, das ist bzw. wäre ein anderes Thema, mit dem unsere Lehrer sicher ganze Bücher füllen könnten – kamen wir endlich an die deutsch-französische Grenze bei Mulhouse. Leider verbrachten wir auch einige Zeit im Stau – genau gesagt waren es insgesamt zwei Stunden! – weshalb unser erster Abstecher nach Belfort – geplant war die Besichtigung der Citadelle und des Lion de Belfort – leider nicht stattfinden konnte: Schließlich erwartete man uns in Beaune, wo wir in ein nettes kleines Hotel einfielen. Am nächsten Morgen gab es erstmals französisches Frühstück – pas mal!

Leicht übernächtig (warum wohl? …teilweise bewohnten 5 Buben ein Dreibettzimmer …) aber gut gelaunt setzten wir dann unsere Reise am nächsten Morgen bereits um 8 Uhr nach Orange fort. Nach einem selbst getätigten Einkauf im dortigen Intermarché – ein wunderbarer Supermarkt, und für viele von uns der erste Kontakt mit ECHTEN Franzosen! – gab es dann ein herrliches Pique-nique mit frischem Baguette (zu 0,29 EUR das Stück!), fromage (kapiert?), jambon (OK: Schinken) und fraises (Erdbeeren!) im römischen „Théâtre Antique“ in Orange. Anschließend ging es weiter zum „Pont du Gard“, einem (ebenfalls römischen) Aquädukt, unweit unserer zweiten Unterkunft, der „Auberge de la Bagatelle“ in Avignon. Bei so viel römischer Antike wäre unsere Fahrt auch als „Lateinerfahrt“ durchgegangen! Nach einem interessanten Abendessen in der Auberge besichtigten wir die schöne Altstadt und den Papstpalast. Auch die Pont d’Avignon konnten wir sehen – unser Lehrer bemühte sich zwar redlich uns „Sur le pont d’Avignon …“ vorzusingen, doch so wie er es sang, hatten wir keine Chance es zu erkennen, Tant pis. Hilft ja nichts. Von Bettwanzen blieben wir übrigens verschont. Aber das nur nebenbei.

Am dritten und letzten Anreisetag erkundeten wir bei strahlend blauem Himmel die alte Burgruine in „Les Baux-de-Provence“. Nach einem neuerlichen Mittagspique-nique am Vieux-Port von Aigues-Mortes setzten wir unsere Reise dann so munter wie hurtig fort – und kamen trotzdem mit einer Stunde Verspätung gegen 20 Uhr wohlbehalten vor dem collège in Fumel an, wo wir von den Gastfamilien bereits sehnsüchtig erwartet wurden.

Den Sonntag verbrachten wir bei unseren Austauschpartnern, mit denen wir gemeinsam tolle Erfahrungen sammeln durften, die nun aber alle aufzuzählen definitiv zu weit führen würde. Aufgrund unserer Sprachkenntnisse (merci beaucoup Französischlehrer des Aventinus-Gymnasiums!) fiel uns die Verständigung jedenfalls nicht schwer und wir lebten uns schnell bei unseren Familien ein.

Am Montagmorgen wurden wir alle mit einem Petit-déjeuner in der Schule von Monsieur Chabaud, dem Proviseur (quasi ein französisch sprechender Herr Dr. Kanz) begrüßt. Anschließend begleiteten wir unsere Corres für zwei Stunden in den Unterricht, zu dem jeder seine ganz eigene Meinung hatte. Am Nachmittag gaben wir uns dann in komplett gemischten équipes (deutsch: Tiems) dem Frisbeesport hin, was dann mit einer Schulterprellung endete. Schlimmere Unfall gab es merci à dieu nicht.

Am Dienstag stand ein erster großer Ausflug nach Toulouse an. Nach einem Besuch des musée Aéroscopia – einem Flugzeugmuseum (sie hatten die Concorde!) – hatten wir zwei Stunden quartier libre – Freizeit! Enfin! Endlich! – und erkundeten in kleinen Gruppen die Innenstadt. Unsere Lehrer saßen während dieser Zeit völlig ungerührt und sorglos in einem Grand Café vor dem Hôtel de Ville – man kann davon halten was mal will.

Der folgende Mittwoch führte uns gut 200 km Richtung Atlantik und schließlich auf die über 110 Meter hohe Dune du Pyla, Europas höchste und größte Wanderdüne. Die fantastische Aussicht auf das Meer und das Bassin d’Arcachon entlohnte uns zwar für die durchaus anstrengende Besteigung, doch hielten wir dem Sandsturm am Dünenkamm nicht lange stand. Nach diesem windigen Erlebnis machten wir auf dem Rückweg nach Fumel noch Halt in der mondänen Hafenstadt Arcachon, wo sich diverse Gourmets aus unseren Reihen an dort heimischen Austern (2 euros la pièce) labten.

Am Donnerstag durften wir durch den typisch französischen Wochenmarkt von Monpazier, einer hübschen Bastide ganz in der Nähe von Fumel, bummeln, wo wir das eine und manchmal auch das andere Geschenk für unsere Familien kauften. Am Nachmittag besichtigten wir die gewaltige Tropfsteinhöhle des Gouffre de Proumeyssac (heißt wirklich so). Das vorangehende Piquenique im Freien war schön und gut aber vor allem kalt. Und auch der Gouffre selbst ist nicht unbedingt ein Sonnenstudio … wie es eigentlich auf der ganzen Reise meist, tja, saukalt war. Unsere Eltern meldeten aber noch frostigere Temperaturen aus der bayerischen Heimat. Gut, dass wir in Frankreich waren!

Am Freitag besichtigten wir das Château de Bonaguil, wo wir eine sehr interessante – auf Französisch gehaltene und trotzdem gut verständliche (!) Führung genießen durften. Nach dem Mittagessen in der cantine wurden wir von einer Adjointe du maire, einer stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Fumel, im Château de Fumel empfangen, wo wir sogar das Bürgermeisterbüro und den „salle de mariage“ anschauen durften. Für unsere bemerkenswerte Aufmerksamkeit wurden wir am Ende mit Kuchen, Süßigkeiten und kühlen Getränken verwöhnt. Noch am gleichen Abend erwartete uns die übliche „Auberge espagnole“ – ein großes Abschiedsbuffet zusammen mit allen corres und ihren Eltern im Lycée.

Bereits am Sonntag Früh war es dann soweit: Grand départ – Abfahrt! 8 heures précises (nicht ganz: 8:11 Uhr). Nicht alle von uns wollten zu dem Zeitpunkt wirklich heim … zu gut hatte es uns gefallen, zu freundlich waren wir aufgenommen worden, zu viel Schönes hatten wir erlebt. Aber immerhin erwarteten uns in Burghausen die Osterferien, auch nicht schlecht. Am Sonntagabend, 30.03., gegen 20:30 Uhr, touchdown in Burghausen – unsere echten Eltern warteten natürlich schon.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Lehrern Frau Möbus und Herrn Thalmeir, die uns bei dieser wunderschönen Reise begleiteten und alles ziemlich gut organisiert hatten, bei unserem stets verständnisvollen Busfahrer Helmut, der uns auf der 4.280 km (!) langen Reise IMMER souverän und sicher chauffierte, sowie beim Deutsch-Französischen Jugendwerk und beim Burghauser Städtepartnerschaftsverein, die die Reise großzügig bezuschusst haben!

Anna Gaugler, Svenja Gosda, Franziska Kerscher (alle Jgst. 8)